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Vitamin D3 und Vitamin K2 – Wirkung, Vorteile, Risiken und Studienlage

Was man wissen sollte – und was man rechtssicher sagen darf


Vitamin D3 und Vitamin K2 gehören zu den am häufigsten diskutierten Mikronährstoffen der letzten Jahre. Kaum ein anderes Thema wird in sozialen Medien, Blogs und Online-Shops so emotional, teilweise widersprüchlich und nicht selten überzogen dargestellt. Aussagen wie „schützt vor allen Krankheiten“, „entkalkt die Gefäße“ oder „muss jeder nehmen“ begegnen uns täglich – sind aber weder wissenschaftlich sauber noch rechtlich zulässig.


Dieser Artikel ordnet das Thema medizinisch fundiert, evidenzbasiert und rechtskonform ein. Ziel ist es, dir ein klares Verständnis darüber zu vermitteln,

• welche Funktionen Vitamin D3 und Vitamin K2 im Körper haben,

• was Studien tatsächlich zeigen,

• wo die Grenzen der Supplementierung liegen

• und welche Aussagen du auf einer Webseite rechtlich sicher verwenden darfst.



Vitamin D3 – mehr als nur ein Vitamin


Vitamin D nimmt unter den Vitaminen eine Sonderstellung ein. Streng genommen handelt es sich nicht um ein klassisches Vitamin, sondern um ein Prohormon, das im Körper hormonähnlich wirkt.


Bildung und Stoffwechsel von Vitamin D


Der größte Teil des Vitamin D wird nicht über die Nahrung aufgenommen, sondern in der Haut durch UVB-Strahlung gebildet. Dabei entsteht zunächst Cholecalciferol (Vitamin D3), das anschließend in der Leber zu 25-Hydroxy-Vitamin D (25(OH)D) umgewandelt wird. Diese Form dient als Speicher- und Laborparameter.


In einem weiteren Schritt erfolgt in den Nieren die Umwandlung in die biologisch aktive Form 1,25-Dihydroxy-Vitamin D (Calcitriol), die an Vitamin-D-Rezeptoren in zahlreichen Geweben wirkt.



Welche Funktionen hat Vitamin D im Körper?


Vitamin D ist an einer Vielzahl physiologischer Prozesse beteiligt. Rechtlich relevant ist dabei, dass nur bestimmte Aussagen als Health Claims zugelassen sind.


Zugelassene Health Claims für Vitamin D (EU)


Nach der europäischen Health-Claims-Verordnung darfst du unter anderem folgende Aussagen verwenden:

• Vitamin D trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei.

• Vitamin D trägt zur Erhaltung normaler Knochen bei.

• Vitamin D trägt zur Erhaltung normaler Zähne bei.

• Vitamin D trägt zu einer normalen Muskelfunktion bei.

• Vitamin D trägt zu einem normalen Calciumspiegel im Blut bei.

• Vitamin D hat eine Funktion bei der Zellteilung.


Diese Aussagen sind wissenschaftlich geprüft und rechtlich zulässig.


Was du nicht sagen darfst


Nicht zulässig sind krankheitsbezogene oder therapeutische Aussagen wie:

• „Vitamin D schützt vor Infektionen“

• „Vitamin D heilt Depressionen“

• „Vitamin D verhindert Krebs oder Herzinfarkt“

• „Vitamin D ist ein natürliches Medikament“


Auch wenn einzelne Studien Zusammenhänge untersuchen, dürfen solche Aussagen nicht als Health Claim verwendet werden.



Vitamin-D-Mangel – wer ist besonders betroffen?

Älteres Paar geht mit Enkeltochter im Wald spazieren

Ein niedriger Vitamin-D-Status ist in Europa weit verbreitet, insbesondere in den Wintermonaten. Bestimmte Personengruppen haben ein erhöhtes Risiko:

• Menschen mit wenig Sonnenexposition

• Personen mit dunkler Hautpigmentierung

• ältere Menschen

• Menschen mit Adipositas

• Personen mit Fettresorptionsstörungen (z. B. bei chronischen Darmerkrankungen)

• Menschen, die bestimmte Medikamente einnehmen (z. B. Antikonvulsiva)


Wichtig ist: Ein Risiko bedeutet nicht automatisch einen Mangel, sondern lediglich eine höhere Wahrscheinlichkeit.



Der Vitamin-D-Blutwert – was wird gemessen?


Zur Beurteilung des Vitamin-D-Status wird der Blutwert 25-Hydroxy-Vitamin D (25(OH)D) bestimmt. Er spiegelt die Vitamin-D-Versorgung der letzten Wochen wider.


Die aktive Form (1,25(OH)₂D) eignet sich nicht zur routinemäßigen Statusbestimmung, da sie stark reguliert wird und auch bei einem Mangel normal sein kann.



Vitamin-D-Supplementierung – sinnvoll oder überbewertet?

Laborsituation mit Ölgefüllten Reagenzgläser

Was große Studien zeigen


In den letzten Jahren wurden mehrere große randomisierte Studien durchgeführt. Besonders bekannt ist die VITAL-Studie, in der über 25.000 Erwachsene Vitamin D3 (2.000 I.E. täglich) oder Placebo erhielten.




Das Ergebnis:

• Bei überwiegend gut versorgten, gesunden Erwachsenen zeigte sich kein signifikanter Vorteil hinsichtlich Frakturen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs.

• Der Nutzen scheint sich vor allem auf Personen mit einem echten Mangel oder bestimmte Risikogruppen zu beschränken.


Fazit zur Studienlage


Vitamin D ist essenziell für die Gesundheit, aber keine pauschale Lösung für alle. Eine routinemäßige Hochdosis-Supplementierung ohne medizinische Indikation zeigt in großen Studien keinen klaren Zusatznutzen.



Sicherheit und Dosierung von Vitamin D


Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) gibt für Erwachsene eine tolerierbare obere Aufnahmemenge von 4.000 I.E. (100 µg) pro Tag an.


Risiken einer Überdosierung


Eine langfristige Überdosierung kann zu:

• erhöhtem Calciumspiegel im Blut

• Nierensteinen

• Nierenschäden


führen.


Besondere Vorsicht gilt bei:

• Sarkoidose und anderen Granulomatosen

• bestimmten Lymphomen

• Nierenerkrankungen



Vitamin K – Überblick und Unterschiede


Vitamin K ist ein fettlösliches Vitamin und kommt in zwei Hauptformen vor:

• Vitamin K1 (Phyllochinon) – vor allem in grünem Blattgemüse

• Vitamin K2 (Menaquinone) – z. B. MK-7 oder MK-4, vor allem in fermentierten Lebensmitteln



Zugelassene Health Claims für Vitamin K


Für Vitamin K sind in der EU folgende Aussagen zugelassen:

• Vitamin K trägt zu einer normalen Blutgerinnung bei.

• Vitamin K trägt zur Erhaltung normaler Knochen bei.


Mehr darf rechtlich nicht behauptet werden.



Vitamin K2 und Knochen – was sagt die Wissenschaft?


Vitamin K ist an der Aktivierung bestimmter knochenrelevanter Proteine beteiligt. Studien untersuchen seit Jahren, ob insbesondere Vitamin K2 einen zusätzlichen Nutzen für die Knochengesundheit haben könnte.


Aktueller Stand

• Die Datenlage ist heterogen.

• Einige Studien zeigen positive Effekte auf Marker des Knochenstoffwechsels.

• Ein eindeutiger Nachweis für eine Reduktion von Frakturen in der Allgemeinbevölkerung fehlt bisher.


Daher ist es wichtig, keine überzogenen Aussagen zu treffen.



Vitamin K2 und Herzgesundheit – ein sensibler Bereich


Aussagen wie „K2 entkalkt die Gefäße“ oder „schützt vor Arteriosklerose“ sind nicht als Health Claim zugelassen.


Zwar gibt es biochemische und beobachtende Studien zu Vitamin-K-abhängigen Proteinen im Gefäßsystem, daraus lässt sich jedoch noch keine rechtlich zulässige gesundheitsbezogene Aussage ableiten.



Vitamin D3 und K2 – warum werden sie kombiniert?


Die Kombination basiert auf theoretischen Überlegungen zum Calciumstoffwechsel:

• Vitamin D beeinflusst die Calciumaufnahme und -regulation.

• Vitamin K ist an der Funktion bestimmter calciumabhängiger Proteine beteiligt.


Was man dazu sagen darf


Rechtssicher formuliert:


Ob eine Kombination von Vitamin D und Vitamin K sinnvoll ist, hängt von der individuellen Ernährung, dem Gesundheitszustand und der Medikation ab.



Wechselwirkungen und Vorsichtshinweise


Vitamin K und Blutverdünner


Menschen, die Vitamin-K-Antagonisten (z. B. Phenprocoumon oder Warfarin) einnehmen, sollten Vitamin-K-Supplemente nur nach ärztlicher Rücksprache verwenden, da die Gerinnung beeinflusst werden kann.



Natürliche Quellen für Vitamin D und K


Vitamin D

• Sonnenlicht

• fettreiche Fische (z. B. Lachs, Hering)

• Eigelb


Vitamin K

• K1: Spinat, Grünkohl, Brokkoli

• K2: fermentierte Lebensmittel (z. B. Natto, bestimmte Käsesorten)



Zusammenfassung – das Wichtigste auf einen Blick

• Vitamin D und Vitamin K sind wichtige Mikronährstoffe mit klar definierten Funktionen.

• Nicht jede populäre Aussage ist wissenschaftlich oder rechtlich haltbar.

• Supplemente sollten bedarfsgerecht und verantwortungsvoll eingesetzt werden.

• Für Webseiten und Blogs gilt: Health Claims müssen exakt den EU-Vorgaben entsprechen.



Hinweis zur rechtlichen Einordnung


Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und Gesundheitsbildung. Er ersetzt keine ärztliche Beratung oder individuelle Therapieempfehlung.


Quellen (Auswahl)

1. European Commission

EU Register of Nutrition and Health Claims

Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 und Verordnung (EU) Nr. 432/2012

2. EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (NDA)

Scientific Opinion on the Tolerable Upper Intake Level for Vitamin D

EFSA Journal, 2023.

3. Holick MF.

Vitamin D deficiency.

New England Journal of Medicine, 2007.

4. Manson JE et al.

Vitamin D Supplements and Prevention of Cancer and Cardiovascular Disease (VITAL Study).

New England Journal of Medicine, 2019.

5. LeBoff MS et al.

Supplemental Vitamin D and Incident Fractures in Midlife and Older Adults.

New England Journal of Medicine, 2022.

6. Martineau AR et al.

Vitamin D supplementation to prevent acute respiratory tract infections.

BMJ, 2017.

7. Shea MK, Booth SL.

Vitamin K and bone health.

Current Osteoporosis Reports, 2016.

8. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE)

Referenzwerte für Vitamin D und Vitamin K.



Die Auswahl der Quellen dient der wissenschaftlichen Einordnung.

Gesundheitsbezogene Aussagen auf dieser Webseite erfolgen ausschließlich im Rahmen der in der EU zugelassenen Health Claims.

 
 
 

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